23.7/24.7/27.7: „Jeder hat Glück. Aber nicht zur gleichen Zeit“ – Theaterprojekt stärkt Sprache, Mut und Persönlichkeit

Waiblingen. Sprache lernen bedeutet weit mehr als Grammatik und Vokabeln. Davon ist die Schulsozialarbeiterin Gabriele Kieninger fest überzeugt. Gemeinsam mit ihrer VABO-Klasse (B2-Niveau) arbeitet sie seit Monaten an einem besonderen Theaterprojekt, das nicht nur die Deutschkenntnisse der Schülerinnen und Schüler fördern, sondern auch ihr Selbstvertrauen stärken soll.

Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, Sprache im Alltag lebendig werden zu lassen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen Deutsch nicht nur schreiben und lesen, sondern auch sprechen, spielen und mit ihrem Körper ausdrücken können“, erklärt Kieninger. Für sie persönlich spielt Theater seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Bereits während ihres Studiums erhielt sie Schauspielunterricht und wirkte selbst in Theaterstücken mit.

Seit Beginn des Schuljahres treffen sich die Jugendlichen jeden Dienstag für zwei Unterrichtsstunden zum Theatertraining. Dabei stand zunächst nicht das eigentliche Stück im Mittelpunkt, sondern die Vorbereitung auf das Spielen selbst. Mit Zungenbrechern, Körperübungen, Rhythmusspielen und Improvisationen lernten die Schülerinnen und Schüler, Hemmungen abzubauen und sich auf der Bühne auszuprobieren.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war dabei auch die persönliche Entwicklung. Anhand des sogenannten Dreizonenmodells – Komfortzone, Lernzone und Stresszone – setzten sich die Jugendlichen damit auseinander, welche Herausforderungen sie annehmen möchten und wo ihre persönlichen Grenzen liegen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, auch Nein sagen zu können, wenn ihnen etwas zu viel wird“, betont Kieninger.

Bis Januar wurden zahlreiche kleine Sketche und Szenen erarbeitet. Erst danach begann die Suche nach einem geeigneten Theaterstück. Fündig wurde die Gruppe schließlich bei dem Stück „Die Welt steht uns offen“ von Ulla Krawczyk. Das Grundgerüst überzeugte die Klasse, die ursprüngliche Aussage jedoch nicht vollständig. Deshalb entschieden sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Frau Kieninger dazu, das Stück umzuschreiben und an ihre eigenen Erfahrungen anzupassen. Besonders wichtig war es den Jugendlichen, ihre Rollen selbst zu gestalten. Sie wählten Namen, Nationalitäten und Charaktereigenschaften eigenständig aus. Dabei orientierten sie sich an verschiedenen Temperamenten und entwickelten individuelle Figuren. Die Herkunftsländer der Rollen reichen von Frankreich über Rumänien bis zur Türkei und spiegeln die Vielfalt der Gruppe wider.

Die zentrale Botschaft des Stücks lautet: Jeder Mensch besitzt Stärken und Chancen. Auch wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich oft eine neue. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche der Schülerinnen und Schüler hat das Thema einen direkten Bezug zu ihrem Alltag.

Musikalisch wird die Aufführung durch das Lied „Applaus Applaus“ der Sportfreunde Stiller begleitet. Einige Schülerinnen übernehmen zusätzlich organisatorische Aufgaben hinter den Kulissen. Gemeinsam mit Kieninger bilden sie die Regie, koordinieren Abläufe, kümmern sich um das Bühnenbild und unterstützen ihre Mitschülerinnen und Mitschüler während der Aufführung als Souffleusen.

Die Generalprobe findet am 23. Juli statt. Noch am selben Abend soll die Premiere vor Eltern, Lehrkräften, Freunden und Nachbarn stattfinden. Weitere Aufführungen sind am 24. Juli für Schülerinnen und Schüler der MMS und GSWN sowie am 27. Juli im Rahmen der Projekttage für die KSWN geplant. Im Anschluss möchten die Beteiligten mit dem Publikum über die Suche nach Ausbildungsplätzen und Zukunftsperspektiven ins Gespräch kommen.

„Ich freue mich zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler wachsen, wie sie ihren sprachlichen Ausdruck und ihre Kompetenzen weiterentwickeln“, sagt Gabriele Kieninger. Das Auswendiglernen in einer fremden Sprache sei eine große Herausforderung. Gleichzeitig sei genau das eine wertvolle Erfahrung für spätere Bewerbungen und den weiteren Lebensweg.

Noch wird intensiv geprobt. Drei Probentage unmittelbar vor den Aufführungen sollen den letzten Feinschliff bringen. Ob mit selbst gestaltetem Bühnenbild, Leinwandprojektionen oder kreativen Kulissen – die Vorfreude auf die Premiere ist bereits jetzt spürbar.

Eines steht fest: Für die Schülerinnen und Schüler der VABO – Klasse ist das Theaterprojekt weit mehr als eine Schulaufführung. Es ist eine Gelegenheit, über sich hinauszuwachsen, Mut zu zeigen und zu erleben, dass die Welt tatsächlich offensteht.

Die Aufführung findet am 23.7 im Foyer der KSWN statt (18.00 Uhr), am 24.7 um 9.45 Uhr an der MMS und GSWN und am 27.7 um 9.45 an der KSWN.


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