Unser WG und das Staufer-Gymnasium gestalten Holocaust-Projekt

Das Interview mit der Holocaust-Überlebenden Dr. Dagmar Lieblová im Mai war Ausgangspunkt der jetzigen Veranstaltung.

 

 

Das Staufer-Gymnasium und das Wirtschaftsgymnasium luden zu einer Unterrichtsschau der besonderen Art. Unter dem Titel „Begegnungen mit ´Brundibar´“ zeigten die Waiblinger Schüler die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Film, Text und Musik.

Im Mai hatte ein Geschichtskurs des Wirtschaftsgymnasiums die Holocaust-Zeitzeugin Dr. Dagmar Lieblová in Nördlingen interviewt. In einer schulinternen Veranstaltung zeigten die Jugendlichen nun ihr Filmmaterial und gestalteten den Nachmittag. Das Oberstufenorchester des Staufer-Gymnasiums unter Leitung von Nicola Hallstein spielte dazu Musik von Komponisten, die Opfer der NS-Terrorherrschaft wurden, weil sie Juden waren. Den Auftakt bildete ein Ausschnitt aus der „Slawischen Rhapsodie“. Zum Komponisten Victor Ullmann erklärte WG-Schülerin Saskia Kadel: „Sechs Millionen Juden überlebten den Holocaust nicht. Eine unfassbar große Zahl. Lebendig wird die Zahl, wenn man Einzelschicksale anschaut. Der Komponist der ersten beiden Stücke wurde nach seinem Aufenthalt in Theresienstadt  in Auschwitz in der Gaskammer ermordet.“

Viele Holocaust-Zeitzeugen gibt es nicht mehr, da seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs schon 72 Jahre vergangen sind. „Aber wir hatten im letzten Schuljahr das Privileg, eine von wenigen Zeitzeuginnen kennenzulernen“, berichtete WG-Schülerin Anastasia Ansong. „Frau Lieblová wurde in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Bergen-Belsen deportiert und überlebte diese sehr schwere Zeit. Während ihrer Zeit in Theresienstadt machte sie bei einigen Aufführungen der Kinderoper ´Brundibar´ mit, dann musste sie mit ihrer Familie nach Auschwitz.“ Die Kultur in Theresienstadt wurde von den Nazis zu Propagandazwecken missbraucht. Dennoch war für Frau Lieblová die Kinderoper ein großes Ereignis, um die schreckliche Zeit im Lager kurz zu vergessen. Zum Beispiel musste man überall in Theresienstadt den Judenstern tragen, während der Oper aber nicht. ´Brundibar´ hatte der jüdische Komponist Hans Krása 1938 komponiert und die Noten mit nach Theresienstadt gebracht. Gnadenlos töteten die Nazis auch ihn 1944 in Auschwitz.

Ilse Weber war eine weitere Künstlerin, die Opfer der NS-Terrorherrschaft geworden ist. „Sie arbeitete als Krankenschwester in Theresienstadt“, wusste Schülerin Theresa Schwerdt, „im Lager entstanden einige Gedichte. Berühmt wurde „Ich wandre durch Theresienstadt“. Dieses Stück und „Wiegala“ trugen die Stimmbildungs-AG unter der Leitung von Melanie Váradi eindrucksvoll vor. Besonders unter die Haut ging „Wiegala“. Ilse Weber soll es auf dem Weg in die Gaskammer für ihren Sohn und die anderen Kinder gesungen haben. Drei weitere Gedichtvorträge rundeten den traurigen Einblick in das KZ Theresienstadt ab. Auf Seiten des WGs bereiteten Geschichtslehrerin Nadine Wörner, die auch die Projektidee hatte, und Deutschlehrerin Birgit Kaufmann die historischen und literarischen Inhalte mit den Schülern vor.

Moderation, Lyrik, Musik und Filme waren aufeinander abgestimmt und ergänzten sich stimmig. Unter der Leitung von WG-Schüler Norick Robin Mercado waren filmische Zeitzeugendokumente entstanden, die nicht nur die Jugendlichen unter den 200 Gästen sehr ansprachen und bewegten.

Höhepunkt der Schulveranstaltung war eine Zusammenfassung der Kinderoper „Brundibar“ durch das Oberstufenorchester und die Stimmbildungs-AG des Staufer-Gymnasiums. Die Hauptdarsteller begeisterten in den Rollen der Aninka und Pepíček. Die Kinder halten in „Brundibar“ gegen den Leierkastenmann Brundibar zusammen und rufen dem Publikum entgegen: „Ihr müsst auf Freundschaft bauen!“. Die eingängige, jedoch nie banale Musik trugen die Stimmbildungs-AG und Oberstufenorchester mit viel Schwung und tollem Timing vor.

WG-Abteilungsleiterin Birgit Bürk erklärte zum Inhalt von Brundibar: „Wenngleich der Inhalt der Oper auf den ersten Blick frei von Politik ist, betonen überlebende Mitwirkende aus Theresienstadt immer wieder, dass Brundibar, der fortgejagt wird, für sie Hitler darstellte, den sie so in der Oper durch ihr Zusammenhalten verjagen konnten.“

Zum Schluss sah man, wie Frau Lieblová auf der Leinwand die Jugendlichen herausforderte: „Jetzt seid ihr die Zeitzeugen, denn ihr werdet einmal euren Enkelkindern sagen können, ich habe damals mit der Frau gesprochen, die das erlebt hat.“

(Nadine Wörner)

 

INFO: Um was geht es in ca. 35-minütigen Kinderoper „Brundibar“? https://de.wikipedia.org/wiki/Brundib%C3%A1r

 

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