Direktorenvereinigung diskutiert mit Landtagsabgeordneten

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Bildungsexperten des Landtags diskutieren mit den Schulleitern der Direktorenvereinigung des Regierungspräsidiums Stuttgart: (von links) Gernot Gruber (SPD), Ulrich Goll (FDP), Schulleiter Ulrich Lenk, Landrat Dr. Richard Sigel, Siegfried Lorek (CDU) und Willi Halder (Grüne).

 

 

 

Wie komplex sich die aktuelle Bildungspolitik darstellt, zeigte das „Herbsttreffen der Direktoren an Kaufmännischen Schulen des Regierungspräsidiums Stuttgart“, das nach acht Jahren zum zweiten Mal an der Kaufmännischen Schule Waiblingen (KSWN) stattfand. Viele Themen, die Lehrer in ihrem Alltag umtreiben, wurden von den Landtagsabgeordneten Ulrich Goll (FDP), Gernot Gruber (SPD), Willi Halder (Grüne) und Siegfried Lorek (CDU) diskutiert – nicht ohne dass sich einige der 44 aktiven und pensionierten Schulleiterinnen und Schulleiter einmischten, um den Politprofis ungeschönt von ihrem Alltag zu berichten.

Ganz praktisch vor Ort vorgeführt wurden zum Beispiel Probleme mit der Barrierefreiheit in Schulen: Ingrid Manz-Rothärmel, Leiterin der John-F.-Kennedy-Schule Esslingen, sitzt selbst im Rollstuhl und konnte sich nicht zu den schön geschmückten Tischen ihrer Kollegen setzen, da sie die zwei Stufen ins Rondell des Foyers nicht überwinden konnte. KSWN-Schulleiter Lenk verwies dabei auf den grundsätzlichen Planungsfehler des eingesparten Fahrstuhls, der nun statt „100.000 Mark rund 300.000 Euro“ kosten würde.

Ansonsten gibt es für Ulrich Lenk keinen Anlass den Schulträger, den Landkreis Rems-Murr, zu kritisieren. „Wir können uns nicht beschweren“, sagte der FDP-Kreisrat, zumal erst vor ein paar Jahren eine neue Mensa für das Berufliche Schulzentrum gebaut wurde und jetzt gerade eine neue Bibliothek mit Beratungszentrum entsteht. Landrat Dr. Richard Sigel indes hört das gern und lobt zurück: „Sie haben ein herausragendes Programm zu Ihrem 50jährigen Schuljubiläum geboten.“

Sigel verweist auf die Bedeutung der beruflichen Schulen im Landkreis: Über 11.000 Schüler seien an beruflichen Schulen, so viele wie seit 1983 nicht mehr. Das aktuelle Thema Digitalisierung stelle sich auch für die Kreisschulen, doch auch die Frage, wo erst saniert und dann digitalisiert werden solle.

Einig waren sich die Diskutanten, dass die berufliche Bildung eine „Erfolgsgeschichte“ (Gernot Gruber) sei, wenngleich Ulrich Goll dabei häufig auch „Sonntagsreden“ höre, die „beim Schwur“ ohne echtes Bekenntnis blieben: „Die Einführung einer Oberstufe an Gemeinschaftsschulen ist blanker Unsinn“, entfährt es ihm hierbei mit Verwies auf die Weiterführungsmöglichkeit an der Oberstufe der vorhanden Wirtschaftsgymnasien. FDP-Kollege Lenk bläst ins selbe Horn und kritisiert die Unübersichtlichkeit im Bildungssystem, die vor allem die Eltern verunsichere. Hier seien die beruflichen Schulen gefordert, mehr Werbung für sich und ihre Anschluss- und Abschlussmöglichkeiten zu machen. „Wir sind bereits am Ende des vierten Schuljahres in den Grundschulen präsent und informieren die Eltern, die oft staunen, welche Alternativen es zum Gymnasium gibt.“

Vor allem Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund, wirft eine Schulleiterkollegin ein, würden „unabhängig von der Eignung ihres Kindes auf jeden Fall ans Gymnasium wollen“, sodass dort – vor allem aufgrund des Wegfalls der verbindlichen Grundschulempfehlung – die „falsche Klientel“ lande. Zustimmung kam vom Grünen Willi Halder, der einräumt, dass man den „starken Elternwillen unterschätzt“ habe und der eine „Entschlackung“ des Bildungssystems für sinnvoll hält.

An beruflichen Gymnasien macht inzwischen mehr als die Hälfte der Schüler ihren Abschluss. Auch die Abiturquote unter deutschen Schulabgängern steigt kontinuierlich, weshalb Lenk von einem „Trend zur Akademisierung“ spricht. Gernot Gruber wirft die „zwiespältige Position“ der Handwerksverbände ein: Einerseits jammere man über die steigende Anzahl von Akademikern, andererseits würden immer weniger Hauptschulabgänger genommen.

Im Gegensatz zu allgemeinbildenden Schulen sind berufliche Schulen meist sehr viel größer. Dort werden häufig zwischen 1.500 und 2.500 Schüler unterrichtet, am Beruflichen Schulzentrum in Waiblingen sind es insgesamt sogar rund 4.000. Deshalb forderte die Runde auch, die Schulen mehr von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Sekretärinnen müssten zunehmend Beratungsaufgaben für Schüler, Eltern und Betriebe wahrnehmen, was eine höhere Bezahlung rechtfertige, so Lenk. Landrat Dr. Sigel räumte ein, dass sich das „Sekretariat immer mehr zur Assistenz“ wandle.

 

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