Literaturkurs lernt den Poesieautomaten kennen

Wunderliche Apparaturen im Literaturmuseum der Moderne kennengelernt: unser Literatur- und Theaterkurs.

 

 

Es ist ein lauer Dienstagnachmittag, eine Gruppe von Menschen betritt einen Raum, in dem sich nur eine seltsame Apparatur und ein Knopf befinden. Eine der Anwesenden betätigt von der Neugier gepackt den geheimnisvollen Knopf und blickt erwartungsvoll auf, doch nichts scheint zu geschehen, vorerst. Nach etwa 40 Sekunden der gespenstischen Stille schallen plötzliche mechanische Geräusche durch den Saal, während die Apparatur ominös Buchstaben an Buchstaben zu ketten scheint, bis eine äußerst kryptische Botschaft zu erkennen ist; „Dieser ständige Mundgeruch in der Hochfinanz. Und diese sinnreichen Orgasmen: Purer Zufall! Dabei gelingt uns das schon.“

 

Hierbei handelt es sich weder um einen Auszug aus einem phantasievollen Roman, noch um die Kurzbeschreibung einer skurrilen japanischen Gameshow, das zuvor beschrieben Szenario ereignete sich im Literaturmuseum der Moderne in Marbach, in jenes der Literatur- und Theaterkurs des Berufsschulzentrums Waiblingen mit seiner Lehrerin Frau Kaufmann einen Ausflug unternahm, um die dortigen Ausstellungsstücke zu begutachten.

 

Ein solches ist die bereits erwähnte „seltsame Apparatur“, bei dieser handelt es sich um den Landsberger Poesieautomaten, welcher von Hans Magnus Enzensberger entwickelt wurde, um per Zufallsprinzip Satzglieder miteinander zu verknüpfen, somit also Poesie aus purem Zufall zu erschaffen. Insgesamt hat der Poesieautomat genug Satzglieder, um 1036 grammatikalisch korrekte Texte zu bilden, inwiefern man in diese einen tieferen Sinn oder gar leidenschaftliche Inbrunst hineininterpretieren kann, wird dem Auge des Betrachters überlassen.

 

Neben dem Landsberger Poesieautomaten besichtigten die Schüler in ihrem Museumsaufenthalt eine Vielzahl an sensationellen Dokumenten und Schriftstücken, besonderes Interesse erzeugte jedoch Franz Kafkas Abiturzeugnis, die Verlockung, die akademischen Leistungen eines durch den Deutschunterricht wohlbekannten Autors zu ergründen, war wohl einfach zu groß. Ironischerweise waren Kafkas Leistungen im Fach Deutsch eher durchschnittlich und bei weitem nicht eines seiner besten Fächer.

 

Ein Dankesbrief Adolf Hitlers an einen befreundeten Autor, der ihm kostenfrei sein neustes Buch zusandte, erregte ebenfalls die Aufmerksamkeit einiger Schüler, er war eher kurzgefasst, in einem freundlichen Tone geschrieben und von formaler Natur.

 

Als der Museumsbesuch sich dem Ende hingegen neigte, sammelte sich der Kurs und trat die Heimfahrt an, jedoch nicht ohne ein kleines Stuck Literaturkultur im Herzen und einige faszinierende Eindrücke mit sich zu nehmen.

 

Text: Nikos Diederichs

 

 

 

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