Flüchtling besucht Großhandelsklasse

Religionslehrerin Hanne Schnabel-Henke lud nach Rücksprache mit der zuständigen Sozialarbeiterin für die Flüchtlinge in unserer Alten Sporthalle, Frau Schmid, Herrn „Youssef“ (der vollständige Name soll an dieser Stelle aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt werden) in den Religionsunterricht ein. Hier die Schilderungen des Besuchs aus Lehrer- und Schülersicht.

 

 

Frau Schnabel-Henke schreibt:

Youssef ist Syrer, IT-Experte, hat eine Frau und zwei kleine Kinder (knapp zwei und knapp drei Jahre alt), die jetzt in einem Lager in der Türkei in Sicherheit sind und die er gerne nachholen will.

Er ist mit einem Boot (das Platz für 16 Leute hat und in dem 60 Flüchtlinge waren) über das Mittelmeer gekommen und dann über den Landweg bis Passau, insgesamt 4000 km, viele davon zu Fuß. Er kam im August an und ist über Zwischenstationen in unserer Sporthalle gelandet. Er hat mit gutem Englisch, ohne zu dramatisieren, sehr nüchtern berichtet.

Er ist froh, hier zu sein. Er hat ausführlich über Syrien und das Regime dort berichtet, dass man unter Assad nicht friedlich leben kann. Wenn der Krieg vorbei ist, will er wieder zurückgehen. In Deutschland würde er gerne als IT-Fachmann arbeiten, vielleicht seinen Master machen und mit seiner Familie zusammen sein.

Er hat betont, wie froh er ist, dass es Freiwillige gibt, die das Ehrenamtscafe am Freitag in unserer Mensa gestalten. Dazu hat er herzlich eingeladen (16-17.30 Uhr). Dass es wichtig ist, dass er Deutsch lernen kann, was keine einfache Sprache ist. Ehrenamtliche helfen dabei, auch machen sie Ausflüge mit den Asylbewerbern, was alle sehr schätzen.

Ihn hat auch interessiert, was wir angesichts der Flüchtlingsströme empfinden. Ein Schüler hat die Befürchtung geäußert, dass damit auch Terroristen ins Land kommen könnten. Youssef sieht diese Gefahr nicht. Er hat uns ermuntert, uns Informationen über Flüchtlinge auch bei den Flüchtlingen selbst zu holen und Berichte in den Medien kritisch zu verfolgen. Sein Wunsch ist, dass wir die Flüchtlinge akzeptieren und aufnehmen, Kontakt mit ihnen suchen.

 

 

Die Schülerin Rachil Maroudi aus der Klasse W3KG2 schildert ihre Eindrücke des Besuchs so:

 

In der Alten Sporthalle unseres Beruflichen Schulzentrums beherbergt der Landkreis Rems-Murr seit einiger Zeit 120 überwiegend aus Syrien stammenden Flüchtlinge. Diese Menschen sind Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Gewalt.

Unser vorrangiges Ziel der Kaufmännischen Schule ist die Förderung der gegenseitigen Toleranz, Achtsamkeit und Solidarität. Daher haben wir als Klasse die Idee gehabt, im Rahmen des Religionsunterrichtes Flüchtlinge zu uns einzuladen.

Der Besuch von Youssef, einem Flüchtling aus Syrien, der ebenfalls in unserer alten Sporthalle untergebracht ist, war sehr emotional und informativ. Wir durften offen jegliche Fragen stellen, die uns ehrlich beantwortet wurden. Außerdem berichtete er über die politische Lage, sowie über die Flucht und die tiefgründigen Beweggründe nach Deutschland zu kommen.

Zudem kamen wir auf das Thema Heimat, das wir seit einiger Zeit in unserem Religionsunterricht behandeln. Jeder von uns definiert Heimat anders, jedoch sind wir uns alle einig, dass Heimat kein Ort ist, sondern ein Gefühl. Und wir wünschen uns, dass die Asylbewerber bei uns das Gefühl von Schutz und Sicherheit erleben dürfen und in unsere Gesellschaft integriert werden.

 

Entschuldigung, Kommentare zu diesem Artikel sind nicht möglich.

Kaufmännische Schule Waiblingen
Steinbeisstraße 4
71332 Waiblingen

Telefon: 07151/5003-100
Telefax: 07151/5003-125
E-Mail: postfach@ks-wn.de