Ethik-Kurs im Waiblinger Amtsgericht


Ethik-Kurs im Waiblinger Amtsgericht

 

 besuch beim amtsgericht

 Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Hautnah konnten die Schüler des Ethikkurses mit dabeisein, als im Waiblinger Amtsgericht verhandelt wurde. Vorsitzender Richter war Werner Dietz (hinten rechts), die Staatsanwaltschaft wurde vertreten durch Oberamtsanwalt Klaus-Peter Groke (rechts neben Roland Schmid). 

Bild: Helen Rehberger

Alexander Hold? Barbara Salesch? Die Verurteilten vom vergangenen Mittwoch werden sich einen anderen Namen merken: Werner Dietz. So heißt der Richter fürs wirkliche Leben. Einen Einblick in die Arbeit des Amtsrichters ermöglichte Lehrer Roland Schmid seinem Ethik-Kurs vom Wirtschaftsgymnasium. Verhandelt wurden an diesem Vormittag drei Fälle: Zweimal Trunkenheit am Steuer und ein Mal Nötigung. Die Schülergruppe merkte schnell, dass der Hase im wirklichen Gerichtssaal anders läuft als in den Gerichtsshows, die nachmittags im Fernsehen ausgestrahlt werden. Kein Herumpöbeln, keine Schimpftiraden, keine Missachtung des Gerichts. Nicht zuletzt die tatsächlich drohende Strafe ist es, die Seriosität und Ernsthaftigkeit spürbar werden lässt. Der Gerichtsbesuch, der in die Unterrichtseinheit „Recht und Gerechtigkeit“ eingebettet ist, bietet einmaligen Praxisbezug: „Zum einen wird den Schülern die klare Abgrenzung zu den populistischen Gerichtsshows deutlich gemacht und zudem erscheint die Ambivalenz des Phänomens Gerechtigkeit in der praktischen Umsetzung evident“, sagt Lehrer Schmid, „zum anderen haben die Schüler insbesonders die Gelegenheit, nach den Verhandlungen mit dem Richter und dem Staatsanwalt zu sprechen und nachzufragen“. So war absolut einer der verhandelten Fälle von Trunkenheit am Steuer ein Paradebeispiel für unterschiedlich empfundene Gerechtigkeit: Dem Verurteilten wurde für mehrere Monate der Führerschein entzogen, was für ihn den sicheren Verlust seines Arbeitsplatzes bedeuten wird  – die Schüler nutzten mithin ausgiebig die Möglichkeit, sich die Zusammenhänge für die Verurteilung in diesem Fall erläutern zu lassen. Weniger Mitleid hatten die Schüler am Nachmittag, als sie auf dem Ameisenbühl längst wieder die Schulbank drückten, mit Prinz Marcus von Anhalt. Das Amtsgericht Waiblingen hat den schillernden Bordellkönig – ebenfalls wegen Trunkenheit am Steuer – zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe und 200.000 Euro Geldbuße verurteilt. 

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