Ursula Kamps: „Ich vertraue euch, dass ihr auf unsere Demokratie aufpasst!“


Zeitzeugin Ursula Kamps:

„Ich vertraue euch, dass ihr auf unsere Demokratie aufpasst!“

 

schüler hören vorträgen zur entnazifizierzung zu
Vor mehr als 300 Elf- und Zwölftklässler des EG und WG fand die Veranstaltung zur Entnazifizierung mit Zeitzeugin Ursula Kamps statt.

 

 

„Ich möchte euch ein großes Lob aussprechen, dass ihr euch am zweitletzten Schultag vor den Sommerferien noch mit solch einer Materie befasst“, ermunterte Ursula Kamps die rund 300 EG- und WG-Schüler der elften und zwölften Klassen, die sich in der Neuen Turnhalle unseres Beruflichen Schulzentrums versammelt hatten. Sie waren gekommen, um eine besondere Geschichtsstunde zu erleben: Sie hatten die Gelegenheit, Geschichte zu erfahren, „die sich vor der eigenen Haustür abgespielt hat“, wie Schulleiter Ulrich Lenk bei der Begrüßung betonte. Ursula Kamps sei als Zeitzeugin hier, um „abstrakte Geschichte mit ihrer Person lebendig zu machen“. Gottlob Kamm, der Vater von Ursula Kamps, war nämlich von 1946 bis 1948 für die Entnazifizierung im amerikanisch besetzten Württemberg-Baden verantwortlich. Fünf Schüler hatten Referate vorbereitet, um für ihre Altersgenossen das Thema aufzubereiten – viel Stoff für rund anderthalb Stunden.

 

 

die referenten zusammen mit frau kamps
Ursula Kamps bereicherte die Schülerreferate mit sehr persönlichen Erfahrungen. 

 

 

Um die Entnazifizierung historisch einordnen zu können, umrissen Moritz Kächler, Moritz Zenn und Lucas Riebesam aus der 12/2 die Ideologie des Nationalsozialismus und den Holocaust an den Juden. Dominic Scheim und Stephanie Lüddecke aus der 11/2 fassten die wichtigsten Informationen zur Denazifizierung und zum „Befreiungsminister“ Gottlob Kamm zusammen. Geschichtslehrer Engelbert Högg, der dieses Projekt organisierte, äußert sich so über seine Motivation: „Ausgehend von der Buchspende von Frau Kamps, die den Schulen an unserem Zentrum drei Büchersätze der Biografie ihres Vaters schenkte, wollten wir einen Einzelaspekt der ´Fünf Ds´ herausgreifen und vertiefen.“ Die ´Fünf Ds´ beziehen sich auf die Beschlüsse der Alliierten an der Potsdamer Konferenz zur Zukunft Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie beinhalten die Demokratisierung, Demilitarisierung, Demontage, Dezentralisierung und eben die Denazifizierung für den Neuaufbau des zerstörten Landes.

 

informative plakate
„Der Befreiungsminister“ Gottlob Kamm: Er war Anlass für diese Veranstaltung, zu der auch Infoplakate erstellt wurden.

  

Was in den Geschichtsbüchern häufig eine bloße Auflistung bleibt, ließ die 72-jährige Ursula Kamps nun lebendig werden: In sehr persönlichen Worten schilderte sie ihre Erinnerungen als Vierjährige – die Misshandlung ihres Vaters, die Folterung ihres Bruders, die Hausdurchsuchungen der Gestapo. Die Emotionalität dieser Erlebnisse berührte die Schülerinnen und Schüler – es war mucksmäuschenstill in der großen Halle. „Es könnte jede Familie von euch treffen“, mahnte die Schorndorfer Kommunalpolitikerin, „aber ich vertraue euch, dass ihr auf unsere Demokratie aufpasst“. Sie selbst wolle sich nun auf ihrem jahrzehntelangen Engagement für die Politik zurückziehen: „Jetzt seid ihr dran!“ Sie sei heute gekommen, „weil ich will, dass so etwas in Deutschland nie mehr passiert“. 

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