Grüne Bildungspolitiker informieren sich über unsere digitale Schule

Spicken geht auch beim Tablet: Grünen-Politikerin Petra Häffner (Zweite von links) informiert sich mit ihrer Kollegin Brigitte Lösch vom Grünen-Bildungsausschuss wie die Schülerinnen mit dem Tablet arbeiten. (Bild: Oestreich)

 

New York, San Francisco, Waiblingen – eine überra­schende Konstellation? Nicht wenn es um die digitale Schule von morgen geht. Der Bildungsausschuss der GRÜNEN im baden-württembergischen Landtag bereiste genau diese drei Städte, um sich Eindrücke und Erfahrungen aus der Schulpraxis für die parlamentarische Arbeit zu holen. Die Kaufmännische Schule Waiblingen (KSWN) präsentierte sich – auch im amerikanischen Vergleich – als Vorreiterschule.

 

Bildungspolitiker der Grünen zu Besuch bei Bildungspraktikern der Kaufmännischen Schule Waiblingen. Schulleiter Ulrich Lenk (Vierter von rechts) und Landrat Dr. Richard Sigel (links) freuen sich über das Interesse an der digitalen Vorreiterschule.  (Bild: Kowatsch)

 

Die 1.600 Kaufleute vom Ameisenbühl gehen seit vier Jahren schon – lange bevor das Kultusministerium Schulversuche startete – in die digitale Offensive. Die Schule kann ihren Schülern bieten, wovon andere in diesem Maß häufig nur träumen können. Denn neben iPads gibt es W-LAN für alle im Schulgebäude und im Klassenzimmer Beamer, Visualizer und das elektronische Tagebuch, das schon längst die alte Papierkladde abgelöst hat.

Einen Eindruck ins digitale Wunderland gab Christoph Bossaller, der das Tablet-Projekt an der KSWN betreut. So seien erstmals alle 120 Elftklässler des Wirtschaftsgymnasiums mit Tablets ausgestattet worden, sodass nun insgesamt 300 Geräte vorhanden sind. Zahlen, die die Ausschussvorsitzende Brigitte Lösch ebenso beeindruckte wie Petra Häffner, die Schorndorfer Grünen-Abgeordnete, die den Besuch initiierte. Mathematiklehrer Mathias Koczor und Englischlehrer Izzet Sabanoglu boten im Beisein von Landrat Dr. Richard Sigel Einblicke in die digitale Unterrichtspraxis, die zeigten, dass das Geld des Schulträgers gut investiert ist: Englischlehrer Sabanoglu ließ einen Text im virtuellen Schulbuch mit der App Scook lesen, auf LearningApps.org die Vokabeln in Form eines Kreuzworträtsels abfragen, mithilfe des Präsentationsprogramms Keynote eine Präsentation mit copyrightfreien Bildern erstellen und testete zum Abschluss Inhaltsfragen mit der App Kahoot. Mehr digital geht nicht in einer Stunde.

 

Mathelehrer Mathias Koczor von der Kaufmännischen Schule Waiblingen erklärt den Grünen-Bildungspolitikerinnen Brigitte Lösch (Mitte) und Petra Häffner, wie er mit Apps seinen Unterricht bereichert. (Bild: Oestreich)

 

Bildungsausschuss-Vorsitzende Brigitte Lösch zeigte sich beeindruckt vom „Potential der Digitalisierung“: „Hier werden Wege aufgezeigt, wie die neue Technologie erfolgreich in den Schulalltag eingesetzt werden kann.“ Schulleiter Ulrich Lenk machte dabei deutlich, dass es „stets um eine enge Verzahnung von Methodik, Didaktik und Pädagogik“ gehe und das Tablet nicht als Selbstzweck eingesetzt werde.

Beim Thema Datenschutz zeigten sich Unterschiede beim Einsatz an amerikanischen und deutschen Schulen. Digitale Schule gehe dort oft so weit, dass die Schüler gläsern würden, so Petra Häffner, die von der Ausschussreise in die USA im vergangenen Dezember berichtete. Denn die Schülerleistungen und Aufgaben über Portale seien dort für Lehrer, Schüler und die Eltern einsehbar. „Das geht mir zu weit“, kritisiert die Schorndorfer Landtagsabgeordnete. „Die KSWN will den Schülerinnen und Schülern vielmehr eine umfassende Medienkompetenz mit auf den Weg geben und nicht ein Mehr an Kontrolle für Eltern oder Lehrer ermöglichen – das ist für mich der richtige Weg.“

 

Tabletunterricht in der Klasse WG 11/1: Englischlehrer Izzet Sabanoglu erklärt Mitgliedern des Grünen-Bildungsausschusses sowie Landrat Dr. Richard Sigel (Mitte), wie der Englischunterricht digitalen Mehrwert bringt. Schulleiter Ulrich Lenk (Zweiter von links) hört interessiert zu. (Bild: Oestreich)

 

In der Diskussion der Bildungspolitiker mit den Bildungs­praktikern betonte Lösch, dass die Finanzierung durch die Politik geschehen müsse, nicht durch Unternehmen. Landrat Dr. Sigel pflichtete ihr bei: „Wir verlassen uns als Schulträger darauf, dass das Thema Digitalisierung in den Schulen zukünftig einen noch höheren Stellenwert in der Bundes- und Landespolitik genießt. Denn ohne diese Unterstützung werden die Bemühungen der Schulträger oft nur projektbezogen sein können.“

 

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