„Europatag“: Leidenschaftlicher Politikauftritt vor WG-Schülern

Landtagsabgeordneter Ulrich Goll in angeregter Diskussion mit Waiblinger WG-Schülern.

 

An diesem Vormittag lernten die Abiturienten des Waiblinger Wirtschaftsgymnasiums viel über Politik und vielleicht noch mehr über Politiker: Prof. Dr. Ulrich Goll von der FDP sprach im Rahmen des Europatags über aktuelle politische Themen. Die Schüler wurden von ihren Gemeinschaftskundelehrern gut vorbereitet, das merkte man den Fragen an, die vom Brexit über die Flüchtlinge bis hin zur Zukunft der EU reichten. 80 Schülerinnen und Schüler also, denen der Fragestoff so schnell nicht ausgehen würde. Berufspolitiker Ulrich Goll, Waiblinger Landtagsabgeordneter und Justizminister a.D., wechselt angesichts dieser fragenden Übermacht vom Jackett ins Poloshirt. Nicht, weil ihn die Fragen ins Schwitzen brächten, sondern weil das Nähe schafft zu den T-Shirt tragenden Jugendlichen vor ihm.

Dann springt die Politikmaschine an: „Was halten Sie von Leitkultur?“ „Unsere Leitkultur steht im Grundgesetz“, „Sollte es eine Flüchtlingsquote für Unternehmen geben?“ „Davon halte ich nichts, Betriebe müssen rudern, damit das Schifflein fährt, da kann man ihnen nicht einfach Leute ins Boot setzen.“ Zwischen Problemen der Erstaufnahme und der konfliktanfälligen „Kasernierung junger Männer ohne Umfeld, die – auch wenn es Deutsche wären – nur schiefgehen kann“ streut er die persönliche Anekdote ein, dass sein Pizzabote, der sich als Flüchtling outete, froh sei, den Sprung aus dem Flüchtlingsheim geschafft zu haben – „aber bis der Facharbeiter beim Daimler ist, dauert das halt fünf, sechs Jahre“.

 

Der Europatag Anfang Mai war der Anlass für den Besuch des Landtagsabgeordneten. 

 

FDP-Profi Goll zeigt den Jugendlichen, was ein Politiker können muss: fit sein in vielen Politikfeldern, immer antworten können, firm sein in Details, zielgruppengerecht formulieren, Fachbegriffe erklären. Nach anderthalb Stunden ist der 67-Jährige auf Betriebstemperatur, mancher Schüler platt vor lauter Informationen.

Wach bleiben die Schüler dennoch, denn der Waiblinger Landtagsabgeordnete liefert keine Sprechblasen, sondern Kante: „Wutbürgern“ hält er „überfordernde Erwartungen“ und ihre Drohgebärde des Stimmentzugs unter die Nase; Seehofer piekst er als „Populisten in halbwegs harmloser Form“; den Briten prophezeit er „den Tag des Wiedereintritts in die EU“; und Donald Trumps Präsidentschaft sieht er enden, weil er seinen Bürgern bald „vielleicht einfach peinlich“ sei. Und so durften die Schüler nicht nur inhaltlich einiges mitnehmen, sondern erleben, wenn ein Volksvertreter seine Leidenschaft für Politik lebt.

 

 

 

 

 

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